Gespräch über den Zufall und seine gesetzmäßigen Gründe (Neu)

 

Der Zufall kommt nicht aus dem Nichts

und hat immer seinen gesetzmäßigen Grund.

 

„Mir ist aufgefallen“, sagte GP, „dass oft das Wort ‚Zufall‘ benutzt wird.“

 

„Zufall ist ein Synonym für ‚Nichtwissen‘“, erklärte ich. „Wenn jemand davon spricht, dann meint er etwas, was unerwartet auftrat, nicht berechnet oder vorhergesagt werden konnte.

 

Wenn man genau hinsieht, merkt man, dass das Wort ‚Zufall’ tatsächlich oft im Sinne 'ohne Ursache oder Grund' oder noch drastischer; 'etwas aus dem Nichts Zugefallenem' gebraucht wird.

 

Beispiele:

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Zufall

Von Zufall spricht man, wenn für ein einzelnes Ereignis oder das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse keine kausale Erklärung gefunden werden kann.

 

https://www.chemie.de/lexikon/Radioaktivit%C3%A4t.html 

Radioaktiver Zerfall ist kein deterministischer Prozess. Der Zerfallszeitpunkt des einzelnen Atomkerns ist absolut zufällig. 

 

https://www.phyx.at/was-ist-zufall/

Der Zufall führt im Mikrokosmos tatsächlich Regie. In der Welt der Atome sind einzelne Ereignisse grundsätzlich nicht mehr präzise vorhersagbar (nicht mehr deterministisch).

 

Anmerkung von mir: In gleicher oder ähnlicher Form ('es lässt sich keine kausale Erklärung finden') lassen sich viele Aussagen entdecken.

 

Kaum jemand berücksichtigt, dass in jeder Substanz exakte Gesetze herrschen, die zu den jeweiligen 'zufälligen' Ereignissen führen, und natürlich kausal sind."

 

"Warum nicht?"

 

"Weil es für den Menschen unmöglich ist, alle Gesetze in jeder Substanz zu kennen.

 

 

 

Um trotzdem Aussagen über Ereignisse zu machen, greift man lieber auf ‚kausale Gründe‘ zurück, (meint damit aber nicht Gesetze, sondern Komponenten) und sagt, wenn man keine findet, diese Ereignisse seien zufällig.

 

(‚Kausaler Grund‘ gilt als jeweiliger Beweis für eine ununterbrochene Kette von Komponenten, die etwas ergeben haben, bzw. mit diesen ein Ergebnis vorhersagen zu können.)

 

 

Entstanden ist diese Art der Betrachtung im makroskopischen Bereich, die erfolgreich war.

 

Und wurde nach den Entdeckungen im mikroskopischen Raum – besonders bezüglich der Quantenphysik – unglücklicherweise auf diesen übertragen.

 

Hier sind aber, aufgrund von komplizierten oder unmöglichen Messungen, Kausalketten letztlich schwerer oder gar nicht zu beweisen.

 

Und daher wird hier dann oft das Wort ‚Zufall‘ benutzt.

 

Nun wirken aber, wie oben dargelegt, in allen Substanzen, sei es im Makro- oder Mikroskopischen Bereich, Gesetze.

 

Die Frage ist also: Muss man, um den Determinismus zu belegen, unbedingt Kausalketten von Elementen darstellen?

Oder ist es nicht viel genauer, die Gesetze, die die Substanzen bewegen, aufzuzeigen, bzw. davon auszugehen, dass alles davon gestaltet wird.

 

Denn alles hat das Ziel, eine Struktur nach den Gesetzen zu bilden.

 

Es gibt hier zwei Standpunkte:

  • Etwas entsteht aus Nichts.
  • Alles hat seinen Grund.

Ich bin von dem letzteren überzeugt."

 

GP nickte. „Das Wort wird also im Grunde benutzt bei Unwissen über die gesetzlichen Abläufe“.

 

„So ist es." Man kann dem Zufall generell hinzufügen: ...weil ich die gesetzmäßigen Abläufe nicht kenne, die dazu geführt haben.“

 

Denn alle Substanzen im Universum (zu denen natürlich auch die Quanten gehören) laufen nach Gesetzen ab.

 

Daher ist auch alles determiniert.

 

Wollte man aber für Voraussagen die Determiniertheit über Kausalitätsketten beweisen, würde man schnell scheitern – weil die Menge der Substanzen und Gesetze alle menschlichen Dimensionen sprengen.

 

So laufen also alle Substanzen nach Gesetzen ab: Eine identische Substanz unter einer identischer Umgebung ergibt immer ein identisches Ergebnis.

Hierzu zählen auch die Elementarteilchen, die den Prozessen der Erzeugung und Vernichtung unterliegen, aber sonst, wie Photonen, unveränderlich in ihren inneren Eigenschaften sind.

 

Dass der Mensch in Schwierigkeiten kommen könnte, eine Umgebung herzustellen, die diesen Anforderungen entspricht, widerlegt nicht diese These.

Modifiziert man sie in der Form: Gleiche Substanzen unter gleichen Bedingungen ergeben immer ein gleiches Ergebnis, dann könnte man diese Schwierigkeiten umgehen.

 

(Nebenbei: Die Emission eines Photons legt fest, mit welcher Drehung es 'fliegt'. Von daher sind nicht alle absolut identisch.)"

 

"Könnte es auf diese Leitlinie gebracht werden?" fragte GP.

 

Zufall ist ein Synonym für Nichtwissen bezüglich gesetzmäßiger Abläufe, die man nicht genau kennt‘.

 

„Dem kann ich sofort zustimmen,“ nickte ich.

 

 

„Nun gibt es aber Quantenphysiker, die von dem ‚objektiven Zufall‘ sprechen“, fiel GP ein. „Sie meinen damit: Wenn man in der Welt der Elementarteilchen ein Experiment macht, in dem zwei identische Teilchen, zeitlich verschieden, unter identischen Umständen keine identische Ergebnisse erzielen, dass es keine verborgenen Variablen gibt, von denen man sagen könnte, dass sie dieses ungleiche Ergebnis ausgelöst haben.“

 

„Wie wir schon feststellten: Zufall steht synonym für Nichtwissen. Sie können gar nicht wissen, wie viele lokale, bzw. nichtlokale Einflüsse auf die jeweiligen hier temporär vorhandenen Teilchen gewirkt haben, die alle ihre Gesetze in sich haben.

 

Denn, und dies ist der Beweis dafür, dass auch in Quantensystemen alles nach Gesetzen abläuft: mit der statistischen Wahrscheinlichkeitsrechnung sind sehr genaue Vorhersagen in Quantensystemen zu machen. Dies würde unmöglich sein, wenn hier Gesetzlosigkeit herrschen würde."

 

"Könnte man sagen, das die verborgenen Variablen, von denen immer wieder die Rede ist, in den jeweiligen Gesetzen liegen?" fragte GP.

 

"Das trifft den Nagel auf den Kopf," bestätigte ich.

 

Menschen, wollen sie etwas genau wissen, sind auch in Quantensystemen auf Messungen angewiesen.

Wenn dies nicht möglich ist – etwa durch die Heisenbergsche Unschärferelation – dann bleibt nur der Weg der mathematischen Beschreibung.

Damit kann man dann aber sehr genaue Aussagen für Quantensysteme machen.

Dies ist natürlich nur deshalb möglich, weil hier, wie überall, alles nach Gesetzen abläuft.

 

Zum objektiven Zufall:

Objektiv“ heißt, dass etwas, ohne Einfluss des Menschen (etwa Messung oder Perspektive) so ist, wie es im Moment ist. Kommt hier ein Zufall (also etwas, das dem gesetzmäßigen Objekt, etwa durch die innere Konstellation, zugefallen ist) ins Spiel, dann ist dies sozusagen ein objektiver Zufall.

Ein objektives Ereignis hat immer einen gesetzmäßigen Grund.

 

Wenn Menschen sagen, dass etwas unmöglich von ihnen zu messen ist, dann beweist dies nicht, dass hier keine Gesetze herrschen.

 

 

Und: Es gibt Quantenphysiker, die behaupten, Quanten brauchen Informationen, um zu ‚wissen‘, was sie tun sollen.

 

Aber Anorganisches benötigt keine Informationen. Die Substanzen laufen ganz natürlich nach den Gesetzen ab.

Informationen braucht anorganische Materie nur, wenn der Mensch damit ein Ziel erreichen will – nicht per se, weil sie sowieso nach Substanzen und Gesetzen abläuft und es ihr egal ist, was passiert.

 

 

(Nebenbei: Informiert man etwas, (und diese Infos wirken) dann ändert man damit einen gesetzmäßigen Ablauf.)

 

 

Dagegen ist es bei Lebewesen anders: Da sie die Zukunft nicht kennen, sich aber für die richtigen Wege zu ihren Zielen entscheiden müssen, benötigen sie Informationen, etwa um ihr Leben zu erhalten.

 

Dies ist, wie gesagt, bei der anorganischen Materie in der Makrowelt ebenso wenig der Fall wie in der Mikrowelt z.B. den Quanten, Molekülen, Atomen. Hier ist es egal, was geschieht."

 

 

(Nebenbei: Holt sich jemand Informationen, dann sind es zunächst immer nur welche aus dessen augenblicklichen Perspektive.)

 

 

Wer also behauptet, Anorganisches braucht Informationen, irrt.

 

(Nebenbei: Es wäre besser, von Gesetzen zu sprechen, als von Informationen.)

 

Denn, wie eben gesagt, anorganische Substanzen brauchen keine Informationen; sie bestehen aus Gesetzen.

 

Will man also eine Substanz erkennen, müsste man seine Gesetze wahrnehmen, denen es folgt.

 

 

"Ich widerhole noch mal", sage GP. "Man kann also sagen, dass einzelne Elementarteilchen keine Informationen tragen. Daher können uns diese auch keine geben. Sie laufen nach den Gesetzen ihrer Ganzheit (mit der Umgebung) ab.

Daher kann man sagen, das identische Elementarteilchen unter identischer Umgebungen immer identische Ergebnisse erzielen.

Ergibt sich dies nicht, dann waren entweder die Elementarteilchen oder die Umgebung nicht identisch."

 

"Exakt", nickte ich.

 

 

"Was mir gerade einfällt", überlegt GP, "Computer brauchen doch auch Informationen!“

 

„Das stimmt, Computer sind Rechner, die Informationen mittels Eingaben von Menschen benötigen, um zu wissen, welche Daten sie mit welcher Methode verarbeiten sollen.“

 

 

„Was ist der Unterschied zwischen Gehirn und Computer?“

 

„Ein Beispiel dafür ist Captcha, ein Test im Internet, der zeigt, ob eine Anwendung von einem Menschen oder einem Computer genutzt wird. Es sind grafisch dargestellte, verfremdete Buchstaben und Zahlen, die man während des Anmeldevorgangs erkennen und in ein Abfragefenster eingeben muss.

 

Dem Menschen mit seiner Anlage zur Kreativität, also aus Ähnlichkeiten Schlüsse zu ziehen, gelingt dies in wenigen Augenblicken. Ein Computer scheitert an dieser Aufgabe, weil er starr rechnet und unendlich vieldeutige Teile von Bildern nicht genau übersetzen kann.

 

Der Computer hat eine binäre Struktur, er funktioniert auf der Basis von Nullen und Einsen. Er hat eine starre (Rechen-)Vorgabe.

 

Das Gehirn hat eine kreative Struktur, die offen ist für jede Ähnlichkeit. Kreativität bedeutet, Ähnlichkeiten zu verbinden, die in den unterschiedlichsten Bereichen vorkommen. Alles hat in irgendeiner Eigenschaft Ähnlichkeit mit etwas anderem: etwa Farbe, Umfang, zeitliche Nähe, geometrische Figur, Gesichter usw. Diese Aufzählung ließe sich lange fortsetzen. Und so sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

Deshalb ist es auch besonders kreativ im Schlaf, weil hier die Mittelpunkte des Tagesgeschehens nicht eingreifen.

 

Nebenbei: Diese Ähnlichkeiten sind auch der Grund für Verwechslungen. Ebenso wie eine Quelle für geniale Erkenntnisse.“

 

„Kreativität ist also nichts Übersinnliches“, warf GP ein, „sondern spielt sich im Menschen aufgrund von Zielen ab.“

 

„Richtig“, ich nickte. „Darüber hinaus ist das Gehirn ständig kreativ, es macht das, was wir wahrnehmen, flüssig, das heißt, aus allem eine ‚gute‘ Gestalt, mit der man unkompliziert umgehen kann. Das Ziel ist hier also nicht, die Situation bis ins Kleinste zu analysieren, sondern so darzustellen, dass man sich schnell ein Bild machen kann, um damit – und das ist der eigentliche Grund – besser überleben zu können.

 

Dazu gehört auch die ‚Kreativität des Augenblicks‘. Diese wird besonders in Gesprächen aktiv oder wenn man sich mit etwas intensiver beschäftigt. Es bedeutet, dass spontan plötzlich etwas Neues in einem auftaucht, das gut zu dem Thema passt.“

 

„Das Gehirn vereinfacht in der Regel also“, schloss GP.

 

„Stimmt. Weil sich kein Lebewesen in der Welt zurechtfinden und überleben könnte, das immer und zu jeder Zeit jede Situation in ihre Einzelteile zerlegen würde. Das ist auch der Grund, dass die Menschen die Welt jeweils ganzheitlich erleben.“

 

 

Die Software des Computers kann man beobachten und messen. Dies ist in der Quantenwelt kaum möglich.

 

Man sollte also die Elementarteilchen nicht vermenschlichen, in dem Sinne, dass sie Information brauchen. Jede Welt hat ihre eigenen Gesetze. Deshalb muss alles so geschehen, wie es geschieht, und so ist alles durch die Gesetze vorbestimmt. Und es spielt keinerlei Mystik mit, die viele Menschen gerne hineinprojizieren.“

 

 

Damit kam ich auf ein weiteres Thema: „Es gibt zwei sich gegenüberstehende Weltansichten: Determinismus und Indeterminismus (wie hier oben schon mal angedeutet).

 

Der Determinismus sagt, dass alles im Universum seine Gründe hat, nach Gesetzmäßigkeiten abläuft.

Die andere Gruppe glaubt, dass vieles ohne Grund geschieht. Hier einige Beispiele:

  • Ereignisse geschehen ohne Ursache,
  • kommen aus dem Nichts,
  • dass es den freien Willen gibt,
  • eine metaphysische Macht dahintersteckt.

 

Ich gehöre, wie gesagt, der ersten Gruppe an. Weil ich der Meinung bin, dass nichts aus dem Nichts geschehen kann.“

 

Du meinst, wesentlich ist letztlich, dass alles im Universum nach Gesetzen abläuft und jedes Ereignis folglich vorbestimmt ist.“

 

„Für mich ist das eindeutig.“

 

„Man sagt auch, dass man z. B. den Zerfall eines radioaktives Atoms nicht voraussagen kann: also wann genau es geschehen wird“, fuhr GP fort.

 

„Wir haben schon einmal darüber gesprochen, das wird von den inhärenten Gesetzen und der lokalen bzw. nichtlokalen Umgebung genau bestimmt.

 

Ein Substrat, hier ein Atom, ist innerlich etwas, das ständig in Bewegung ist. Entsprechend ändern sich auch immer die Gesetze. Weil sich die Struktur verändert, und jede Strukturveränderung andere Gesetzen hervorruft.  Schon daraus folgt, dass der Zerfall eines radioaktives Atoms nicht exakt vorhergesagt werden kann.

 

Und eine Substanz in der Quantenwelt (die ja nach Gesetzen abläuft) ist wohl kaum jemals isoliert. Immer hat es eine lokale und nichtlokale Umgebung, die gesetzmäßig den Verlauf mitbestimmen.

 

Es reicht nicht, nur das Teilchen selbst zu betrachten, man muss die Umgebung einrechnen, was die Erkenntnis enorm erschwert.“

 

„Du willst sagen: Grenzt man etwas ein, dann grenzt man etwas aus.“

 

„Ja, Grenzen sind immer willkürlich gezogen. Es liegt in der Natur des Menschen. Er muss mit Substanzen umgehen, mit denen er rechnen kann, um zu einem Resultat zu kommen, etwa handeln zu können.“

 

 

„Was sind die Ursachen, woher genau kommen diese Abgrenzungen, die Menschen vornehmen?“

 

„Von der Mittelpunkt-Mechanik. Der Mittelpunkt wählt aus, was zu dem Ziel passt.“

 

„Durch den Mittelpunkt werden also Grenzen gezogen.“

 

„Würde man in unserer Welt alle irrelevanten Fakten einbeziehen, dann wäre man handlungsunfähig.“

 

„Das kann man wohl sowieso nicht, weil die Menge unermesslich groß wäre“, schloss GP.

 

„Ja, und deshalb ist das Ziehen von Grenzen sinnvoll im makroskopischen Bereich des Handelns.“

 

 

„Da wir auch Mystik erwähnten“, sagte GP, „wie könnte man sich Phänomene wie das ‚Chi‘ erklären?“

 

„Am Chi (eine Weltanschauungsform) ist das Mittelpunkt-Prinzip gut zu sehen: Man setzt sich ein Ziel. Durch Konzentration und Übung bildet sich ein Neuronennetz, das diesem Ziel, sei es innere Ruhe, Kontemplation mit einem ‚höheren‘ Wesen, Kampfkunst usw., immer näher kommt bis zur Perfektion. Der Mensch wird durch das Ziel bis ins Kleinste subtil strukturiert.

 

Natürlich verlieren andere Ziele während der Übung immer mehr an Wert und können daher den Ablauf weniger beeinträchtigen.

 

Chi ist also nichts Übersinnliches, sondern kann über einen Mittelpunkt geübt und erlernt werden, was meist einen längeren Zeitraum beansprucht.

 

Diese Einstellung wird Auswirkungen auf den Alltag haben, weil man dann auch hier ungewollte Gedanken und Gefühle zwar wahrnimmt, aber weniger auf sie eingeht. Und auch hier kann man so die Ziele, die in einem aktiv sind, mit mehr Energie erreichen.

 

Dies gilt auch besonders beim Atem-Yoga. Dies wirkt ganzheitlich über Neuronennetze auf die allgemeine Psyche des Menschen.

 

Ebenso, wenn Menschen an höhere Wesen glauben wollen, etwa an einen Gott. Der Mittelpunkt der Kontemplation schließt besonders auch die Urstrukturen ein (in denen das 'Wesen Gott' entstanden ist). Auch lässt es die Erfahrungen zu, die das Gehirn dem Kind in der magischen Phase vorgegaukelt hat.

 

Es gibt sehr viele Menschen, die haben noch niemals von der magischen Phase gehört. D.h., die Erfahrungen, Bilder und Gefühle, die sie dabei in der Kindheit durchlebt haben, wirken meist völlig unbewusst in ihnen weiter.“

 

„Mir jedenfalls ist das bekannt“, GP nickte.

 

„Und wie ist es mit den Achtsamkeitsübungen?“, erkundigte er sich jetzt weiter.

 

„In ‚Achtsamkeit’, ‚In seiner Mitte sein‘, ‚Tue, was du tust‘ geht es unter anderem darum, bei dem zu bleiben, was man gerade tut, und etwa den Groll gegenüber der Vergangenheit oder die Furcht bezüglich der Zukunft, die sich in Gedanken und Gefühlen präsentieren wollen, besonders durch das Aufgehen im Mittelpunkt der Gegenwart zu schwächen bzw. zu löschen.

 

Dies geschieht durch den Mittelpunkt, ähnlich wie beim Chi, der die Aufmerksamkeit von allem anderen, das nicht dazugehört, abzieht. Nichts davon ist etwas Mystisches oder Übersinnliches, auch wenn die Akteure dies gerne so sehen wollen.

 

Natürlich kommen einem immer wieder Gedanken und Gefühle. In den Achtsamkeitsübungen sollte man diese, wenn sie sehr stark sind, wahrnehmen, aber nicht auf sie eingehen, sondern bei dem bleiben, wo man gerade ist.

 

Würde man darauf eingehen, dann bilden diese Gedanken bzw. Gefühle, also Mittelpunkte, die einen gestalten, Energie verbrauchen und so die Achtsamkeit schwächen.“

 

„Man sollte also, wenn es nicht anders geht, Gedanken und Gefühle wahrnehmen“, sagte GP, „sie nicht ‚verdrängen‘, sondern einfach so lassen, wie sie aufgestiegen sind, und seine Achtsamkeit auf das, wobei man ist, fortsetzen.“

 

„Das ist der zentrale Sinn dieser Übung, so kann man völlig in dem jeweiligen Mittelpunkt aufgehen.“

 

 

„Wie meditierst du?“, fragte GP.

 

„Lass mich kurz den Ablauf einer Meditation vorstellen: Es beginnt mit dem Ziel, alle Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen auszuschalten. So ist es sehr wichtig, das unablässige Geplapper der Gedanken zu stoppen. Die Konzentration darauf erzeugt rege Neuronentätigkeit im Aufmerksamkeitszentrum des Gehirns. Diese signalisiert, den Zufluss neuronaler Informationen zu bremsen. Dadurch wird ein Areal, das zuständig für unsere Orientierung im Raum ist, mehr und mehr von neuronalen Impulsen abgeschnitten. Fehlen dem Areal die notwendigen Reize, bleibt ihm nur, den subjektiven Eindruck völliger Raumlosigkeit zu erzeugen, der als unendlicher Raum und Ewigkeit interpretiert wird. Ein weiteres Areal ist für die Vorstellung von den Begrenzungen unseres Körpers zuständig. Der Totalausfall von Signalen auf dieser Seite bedeutet, dass die Wahrnehmung von sich selbst grenzenlos wird. Mit zunehmender Tiefe der Meditation verschwimmt die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt, und es kommt ein Gefühl auf, dass man sich ausdehnt und mit der Umgebung verschmilzt. Durch die Konzentration schwindet die Informationsflut, aus denen der Mensch seine Orientierung bezieht. Dadurch schwindet auch die Grenze zwischen einem selbst und der Welt, das Gefühl des Einsseins mit der Welt und der Grenzenlosigkeit stellt sich ein. In der tiefsten Meditation hat man das Gefühl, eins zu werden mit dem Universum, sich in etwas sehr viel Größerem aufzulösen.“

 

„Das hört sich interessant an“, sagte GP, „dieser Ablauf erfolgt im Gehirn automatisch, wenn man im Mittelpunkt der Meditation ist?“

 

„Ja, wenn dieses Ziel wirkt, und man immer wieder übt.

 

Meine Meditation-Übung besteht darin, dass ich mich beim Einatmen immer weiter dem Ende des Universums nähern will und beim Ausatmen unmittelbar unter dieser, von mir gerade erreichten, Grenze bleibe.

 

Da das Universum unendlich ist, kann ich das Ende des Universums natürlich nie erreichen. Und so kann ich diese Übung unendlich lange fortsetzen.

 

 

Bei dieser Gelegenheit noch ein Wort zur ‚Verdrängung‘: Stell dir vor, du richtest deine Aufmerksamkeit auf etwas, was du nicht wahrhaben willst, und gehst darauf ein. Dadurch wird dieses Etwas stärker, weil Druck Gegendruck erzeugt. So gerätst du in dessen Mittelpunkt. Mit der Verdrängung erreichst du also genau das Gegenteil von dem, was du willst, nämlich etwas beiseitezuschieben. Daher sollte man es nur wahrnehmen, aber dann nicht darauf eingehen.“

 

„Es wird aber auch gesagt: ‚Man verdrängt etwas‘, wenn etwas unbewusst weiter agiert.“

 

„Auch das ist im eigentlichen Wortsinn nicht richtig. Es wird von anderen Mittelpunkten im Wert herabgesetzt, sodass es nicht mehr wahrgenommen wird, agiert aber im Unbewussten weiter, ohne dass das Bewusstsein Informationen einholen kann.

 

Wenn man sagt: ‚Ein Mittelpunkt oder Mittelpunkte lassen einen etwas nicht sehen‘, dann trifft man den Sachverhalt sehr viel genauer, als wenn gesagt wird: ‚Man hat etwas verdrängt.‘

 

 

„Es geht also immer darum, das Bewusstsein bzw. die Aufmerksamkeit auf ein Ziel zu lenken“, fuhr GP fort.

 

„Die Betonung liegt auf ein Ziel“, unterstrich ich. „Würde daneben noch das Ziel, etwa die Vergangenheit zu vergessen, aktiv mitspielen, dann würde die Wirkung des ersten Ziels automatisch geschwächt.

 

Man ist zum Beispiel im ‚Hier und Jetzt‘, wenn die Wahrnehmung auf die Gegenwart gerichtet ist und diese Informationen dem Gehirn gesandt werden. Dies kümmert sich dadurch weniger um die Vergangenheit und die Zukunft, sondern in erster Linie um die Gegenwart.“

 

„Es geht also tatsächlich immer um den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit auf etwas, das auch das ‚Nichts‘ sein kann“, wiederholte GP.

 

„Richtig, es geht um Loslassen. Nur im Mittelpunkt des Augenblicks sein. Wird man abgelenkt, sind besonders auch die Sätze ‚Was geschah, musste geschehen, wie es geschah‘ und ‚Was geschehen wird, wird geschehen, wie es geschehen muss’ wirkungsvoll.“

 

 

 

© Es ist zulässig, diesen Inhalt unter der Bedingung, meine Website www.karlheinzhermsch.de zu nennen, und ohne die Texte zu verändern bzw. zu kürzen, uneingeschränkt zu nutzen oder zu vervielfältigen. (Nachfragen über Ausnahmen bitte über mein Impressum.)

 

 

Basic knowledge about human beings

  • Consciousness is neither an incompre-hensible mind (as is often believed), nor does it decide
  • This is the brain’s job. It controls people with neuronal networks (which I call midpoints) that have been formed through the goals of inheritance and experience.
  • Consciousness only experiences with the senses. With these sensations and data, the brain can change its decisions.

 

People are never shaped by just one area of the brain, but always by many that are connected to each other via neural networks.

 


Without exception, these networks were each created by goals.

 

 

 

 

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