Gespräch über den Zufall

 

Der Zufall kommt nicht aus dem Nichts.

 

 

„Mir ist aufgefallen“, sagte GP, „dass oft das Wort ‚Zufall‘ benutzt wird.“

 

„Zufall ist ein Synonym für ‚Nichtwissen‘“, erklärte ich. „Wenn jemand von Zufall spricht, dann meint er etwas, was unerwartet auftrat, nicht berechnet werden konnte.

 

Wenn man genau hinsieht, merkt man, dass wir das Wort ‚Zufall’ tatsächlich oft im Sinne eines ‚uns aus dem Nichts Zugefallenes’ gebrauchen.

 

Forscht man dann aber nach, stellt sich heraus: Der Zufall besteht jeweils aus Substanzen und ist etwas anderem ‚zugefallen’, kommt also nicht aus dem Nichts.“

 

„Das Wort wird also im Grunde benutzt bei Unwissen über die gesetzlichen Abläufe“, überlegte GP.

 

„So ist es“, ich nickte. „Man kann dem Zufall generell hinzufügen: ...weil ich die gesetzmäßigen Abläufe nicht kenne, die dazu geführt haben.“

 

Denn alle Substanzen im Universum (zu denen natürlich auch die Quanten gehören) laufen nach Gesetzen ab. Daher ist auch alles determiniert. Wollte man aber für Voraussagen die Determiniertheit über Kausalitätsketten beweisen, würde man schnell scheitern – weil die Menge der Substanzen und Gesetze alle menschlichen Dimensionen sprengen.

 

In dem Satz: „Nur wenn man etwas sicher und wiederholbar messen und vorhersagen kann, ist es Determiniert“, zeigt sich die Hybris des Menschen.

 

Dazu meine ich:

Offensichtlich ist: Letztlich hat alles (auch vom gesamten Inhalt des Universums aus betrachtet) eine Umgebung (lokal und nichtlokal).

Denn es ist unmöglich, eine Substanz im Universum so zu isolieren, dass es keine hat.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, das alles mehr oder weniger Wechselwirkungen ausgesetzt ist, die ebenfalls nach Gesetzen ablaufen.

Dies betrifft nicht nur den Makro sondern besonders den Mikro-kosmos.

Daher erscheint dieser auch so seltsam aus der Sicht eines Betrachters im Makrokosmos.

 

Und unbestreitbar laufen alle Substanzen nach Gesetzen ab: Identische Substanzen unter einer identischer Umgebung ergeben immer ein identisches Ergebnis.

Dass der Mensch in Schwierigkeiten kommen könnte, eine Umgebung herzustellen, die diesen Anforderungen entspricht, widerlegt nicht diese These.

Modifiziert man sie in der Form: Gleiche Substanzen unter gleichen Bedingungen ergeben immer ein gleiches Ergebnis, dann könnte man diese Schwierigkeiten umgehen.

 

„Nun gibt es aber Quantenphysiker, die von dem ‚objektiven Zufall‘ sprechen“, fiel GP ein. „Sie meinen damit: Wenn man in der Welt der Elementarteilchen ein Experiment macht, in dem zwei identische Teilchen, zeitlich verschieden, unter identischen Umständen keine identische Ergebnisse erzielen, dass es keine verborgenen Variablen gibt, von denen man sagen könnte, dass sie dieses ungleiche Ergebnis ausgelöst haben.“

 

„Wie ich schon sagte: Zufall ist das Gleiche wie Nichtwissen. Sie können gar nicht wissen, wie viele lokale, bzw. nichtlokale Einflüsse auf die jeweiligen hier temporär vorhandenen Teilchen gewirkt haben, die alle ihre Gesetze in sich haben.

Sie betrachten nur das einzelne Teil(chen), aber nicht die Ganzheit; also nicht die lokale und nichtlokale Umgebung, in dem es eben keinen 'objektiven Zufall' gibt, weil hier natürlich alles nach Gesetzen abläuft.

 

Besonders in der Quantenmechanik sollte man die Ganzheit und die Wechselwirkungen nicht aus den Augen verlieren, weil man sonst zu unrealistischen Schlüssen und Aussagen kommen kann, wie, dass es den objektiven Zufall gibt.

 

Denn, und dies ist der Beweis dafür, dass auch in Quantensystemen alles nach Gesetzen abläuft: mit der statistischen Wahrscheinlichkeitsrechnung sind sehr genaue Vorhersagen in Quantensystemen zu machen. Dies würde unmöglich sein, wenn hier Gesetzlosigkeit herrschen würde.

 

 

Und: Es gibt Quantenphysiker, die behaupten, Quanten brauchen Informationen, um zu ‚wissen‘, was sie tun sollen.

 

Aber Anorganisches benötigt keine Informationen. Die Substanzen laufen ganz natürlich nach den Gesetzen ab.

Informationen braucht anorganische Materie nur, wenn der Mensch damit ein Ziel erreichen will – nicht per se, weil sie sowieso nach Werten und Gesetzen abläuft und es ihr egal ist, was passiert.

 

Wer also behauptet, Anorganisches braucht Informationen, irrt.

 

Dagegen ist es bei Lebewesen anders: Da sie die Zukunft nicht kennen, sich aber für die richtigen Wege zu ihren Zielen entscheiden müssen, benötigen sie Informationen, etwa um ihr Leben zu erhalten.

Dies ist, wie gesagt, bei der anorganischen Materie in der Makrowelt ebenso wenig der Fall wie in der Mikrowelt z.B. den Quanten, Molekülen, Atomen. Hier ist es egal, was geschieht."

 

 

"Ich widerhole noch mal", sage GP. "Man kann also sagen, das einzelne Elementarteilchen keine Informationen tragen. Daher können uns diese auch keine geben. Sie laufen nach den Gesetzen der Ganzheit (mit der Umgebung) ab.

Daher kann man sagen, das identische Elementarteilchen unter identischer Umgebungen immer identische Ergebnisse erzielen.

Ergibt sich dies nicht, dann waren entweder die Elementarteilchen oder die Umgebung nicht identisch."

 

"Exakt", nickte ich.

 

 

Was mir gerade einfällt", überlegt GP, "Computer brauchen doch auch Informationen!“

 

„Das stimmt, Computer sind Rechner, die Informationen mittels Eingaben von Menschen benötigen, um zu wissen, welche Daten sie mit welcher Methode verarbeiten sollen.“

 

„Was ist der Unterschied zwischen Gehirn und Computer?“

 

„Ein Beispiel dafür ist Captcha, ein Test im Internet, der zeigt, ob eine Anwendung von einem Menschen oder einem Computer genutzt wird. Es sind grafisch dargestellte, verfremdete Buchstaben und Zahlen, die man während des Anmeldevorgangs erkennen und in ein Abfragefenster eingeben muss.

 

Dem Menschen mit seiner Anlage zur Kreativität, also aus Ähnlichkeiten Schlüsse zu ziehen, gelingt dies in wenigen Augenblicken. Ein Computer scheitert an dieser Aufgabe, weil er starr rechnet und unendlich vieldeutige Teile von Bildern nicht genau übersetzen kann.

 

Der Computer hat eine binäre Struktur, er funktioniert auf der Basis von Nullen und Einsen. Er hat eine starre (Rechen-)Vorgabe.

 

Das Gehirn hat eine kreative Struktur, die offen ist für jede Ähnlichkeit. Kreativität bedeutet, Ähnlichkeiten zu verbinden, die in den unterschiedlichsten Bereichen vorkommen. Alles hat in irgendeiner Eigenschaft Ähnlichkeit mit etwas anderem: etwa Farbe, Umfang, zeitliche Nähe, geometrische Figur, Gesichter usw. Diese Aufzählung ließe sich lange fortsetzen. Und so sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

Deshalb ist es auch besonders kreativ im Schlaf, weil hier die Mittelpunkte des Tagesgeschehens nicht eingreifen.

 

Nebenbei: Diese Ähnlichkeiten sind auch der Grund für Verwechslungen. Ebenso wie eine Quelle für geniale Erkenntnisse.“

 

„Kreativität ist also nichts Übersinnliches“, warf GP ein, „sondern spielt sich im Menschen aufgrund von Zielen ab.“

 

„Richtig“, ich nickte. „Darüber hinaus ist das Gehirn ständig kreativ, es macht das, was wir wahrnehmen, flüssig, das heißt, aus allem eine ‚gute‘ Gestalt, mit der man unkompliziert umgehen kann. Das Ziel ist hier also nicht, die Situation bis ins Kleinste zu analysieren, sondern so darzustellen, dass man sich schnell ein Bild machen kann, um damit – und das ist der eigentliche Grund – besser überleben zu können.

 

Dazu gehört auch die ‚Kreativität des Augenblicks‘. Diese wird besonders in Gesprächen aktiv oder wenn man sich mit etwas intensiver beschäftigt. Es bedeutet, dass spontan plötzlich etwas Neues in einem auftaucht, das gut zu dem Thema passt.“

 

„Das Gehirn vereinfacht in der Regel also“, schloss GP.

 

„Richtig. Weil sich kein Lebewesen in der Welt zurechtfinden und überleben könnte, das immer und zu jeder Zeit jede Situation in ihre Einzelteile zerlegen würde. Das ist auch der Grund, dass die Menschen die Welt jeweils ganzheitlich erleben.“

 

 

Die Software des Computers kann man beobachten und messen. Dies ist in der Quantenwelt kaum möglich.

 

Man sollte also die Elementarteilchen nicht vermenschlichen, in dem Sinne, dass sie Information brauchen. Jede Welt hat ihre eigenen Gesetze. Deshalb muss alles so geschehen, wie es geschieht, und so ist alles durch die Gesetze vorbestimmt. Und es spielt keinerlei Mystik mit, die viele Menschen gerne hineinprojizieren.“

 

 

Damit kam ich auf ein weiteres Thema: „Es gibt zwei sich gegenüberstehende Weltansichten: Determinismus und Indeterminismus.

 

Der Determinismus sagt, dass alles im Universum nach Gesetzmäßigkeiten abläuft.

 

Die andere Gruppe glaubt, dass vieles ohne gesetzmäßigen Grund geschieht. Hier einige Beispiele:

  • Ereignisse geschehen ohne Ursache,
  • kommen aus dem Nichts,
  • dass es den freien Willen gibt,
  • eine metaphysische Macht dahintersteckt.

 

Ich gehöre der ersten Gruppe an. Weil ich der Meinung bin, dass nichts aus dem Nichts geschehen kann.“

 

Du meinst, wesentlich ist letztlich, dass alles im Universum nach Gesetzen abläuft und jedes Ereignis folglich vorbestimmt ist.“

 

„Für mich ist das eindeutig.“

 

„Man sagt auch, dass man zum Beispiel den Zerfall eines radioaktives Atoms nicht voraussagen kann: also wann genau es geschehen wird“, fuhr GP fort.

 

„Wir haben schon einmal darüber gesprochen, das wird von den inhärenten Gesetzen und der lokalen bzw. nichtlokalen Umgebung genau bestimmt.

 

Ein Substrat, hier ein Atom, ist innerlich etwas, das ständig in Bewegung ist. Entsprechend ändern sich auch immer die Gesetze. Weil sich die Struktur verändert, und jede Strukturveränderung andere Gesetzen hervorruft.  Schon daraus folgt, dass der Zerfall eines radioaktives Atoms nicht vorausgesagt werden kann.

 

Und eine Substanz in der Quantenwelt (die ja nach Gesetzen abläuft) ist wohl kaum jemals isoliert. Immer hat es eine lokale und nichtlokale Umgebung, die gesetzmäßig den Verlauf bestimmen.

 

Es reicht nicht, nur das Teilchen selbst zu betrachten, man muss die Umgebung einrechnen, was die Erkenntnis enorm erschwert.“

 

„Du willst sagen: Grenzt man etwas ein, dann grenzt man etwas aus.“

 

„Ja, Grenzen sind immer willkürlich gezogen. Es liegt in der Natur des Menschen. Er muss mit Substanzen umgehen, mit denen er rechnen kann, um zu einem Resultat zu kommen, etwa handeln zu können.“

 

 

„Was sind die Ursachen, woher genau kommen diese Abgrenzungen, die Menschen vornehmen?“

 

„Von der Mittelpunkt-Mechanik. Der Mittelpunkt wählt aus, was zu dem Ziel passt.“

 

„Durch den Mittelpunkt werden also Grenzen gezogen.“

 

„Würde man in unserer Welt alle irrelevanten Fakten einbeziehen, dann wäre man handlungsunfähig.“

 

„Das kann man wohl sowieso nicht, weil die Menge unermesslich groß wäre“, schloss GP.

 

„Ja, und deshalb ist das Ziehen von Grenzen sinnvoll im makroskopischen Bereich des Handelns.“

 

 

„Da wir auch Mystik erwähnten“, sagte GP, „wie könnte man sich Phänomene wie das ‚Chi‘ erklären?“

 

„Am Chi ist das Mittelpunkt-Prinzip gut zu sehen: Man setzt sich ein Ziel. Durch Konzentration und Übung bildet sich ein Neuronennetz, das diesem Ziel, sei es innere Ruhe, Kontemplation mit einem ‚höheren‘ Wesen, Kampfkunst usw., immer näher kommt bis zur Perfektion. Der Mensch wird durch das Ziel bis ins Kleinste subtil strukturiert.

 

Natürlich verlieren andere Ziele während der Übung immer mehr an Wert und können daher den Ablauf weniger beeinträchtigen.

 

Chi ist also nichts Übersinnliches, sondern kann über einen Mittelpunkt geübt und erlernt werden, was meist einen längeren Zeitraum beansprucht.

 

Diese Einstellung wird Auswirkungen auf den Alltag haben, weil man dann auch hier ungewollte Gedanken und Gefühle zwar wahrnimmt, aber weniger auf sie eingeht. Und auch hier kann man so die Ziele, die in einem aktiv sind, mit mehr Energie erreichen.

 

Dies gilt auch besonders beim Atem-Yoga. Dies wirkt ganzheitlich über Neuronennetze auf die allgemeine Psyche des Menschen.

 

Ebenso, wenn Menschen an höhere Wesen glauben wollen, etwa an einen Gott. Der Mittelpunkt der Kontemplation schließt besonders auch die Urstrukturen ein (in denen das 'Wesen Gott' entstanden ist). Auch lässt es die Erfahrungen zu, die das Gehirn dem Kind in der magischen Phase vorgegaukelt hat.

 

Es gibt sehr viele Menschen, die haben noch niemals von der magischen Phase gehört. D.h., die Erfahrungen, Bilder und Gefühle, die sie dabei in der Kindheit durchlebt haben, wirken meist völlig unbewusst in ihnen weiter.“

 

„Mir jedenfalls ist das bekannt“, GP nickte.

 

„Und wie ist es mit den Achtsamkeitsübungen?“, erkundigte er sich jetzt weiter.

 

„In ‚Achtsamkeit’, ‚In seiner Mitte sein‘, ‚Tue, was du tust‘ geht es unter anderem darum, bei dem zu bleiben, was man gerade tut, und etwa den Groll gegenüber der Vergangenheit oder die Furcht bezüglich der Zukunft, die sich in Gedanken und Gefühlen präsentieren wollen, besonders durch das Aufgehen im Mittelpunkt der Gegenwart zu schwächen bzw. zu löschen.

 

Dies geschieht durch den Mittelpunkt, ähnlich wie beim Chi, der die Aufmerksamkeit von allem anderen, das nicht dazugehört, abzieht. Nichts davon ist etwas Mystisches oder Übersinnliches, auch wenn die Akteure dies gerne so sehen wollen.

 

Natürlich kommen einem immer wieder Gedanken und Gefühle. In den Achtsamkeitsübungen sollte man diese, wenn sie sehr stark sind, wahrnehmen, aber nicht auf sie eingehen, sondern bei dem bleiben, wo man gerade ist.

 

Würde man darauf eingehen, dann bilden diese Gedanken bzw. Gefühle, also Mittelpunkte, die einen gestalten, Energie verbrauchen und so die Achtsamkeit schwächen.“

 

„Man sollte also, wenn es nicht anders geht, Gedanken und Gefühle wahrnehmen“, sagte GP, „sie nicht ‚verdrängen‘, sondern einfach so lassen, wie sie aufgestiegen sind, und seine Achtsamkeit auf das, wobei man ist, fortsetzen.“

 

„Das ist der zentrale Sinn dieser Übung, so kann man völlig in dem jeweiligen Mittelpunkt aufgehen.“

 

 

„Wie meditierst du?“, fragte GP.

 

„Lass mich kurz den Ablauf einer Meditation vorstellen: Es beginnt mit dem Ziel, alle Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen auszuschalten. So ist es sehr wichtig, das unablässige Geplapper der Gedanken zu stoppen. Die Konzentration darauf erzeugt rege Neuronentätigkeit im Aufmerksamkeitszentrum des Gehirns. Diese signalisiert, den Zufluss neuronaler Informationen zu bremsen. Dadurch wird ein Areal, das zuständig für unsere Orientierung im Raum ist, mehr und mehr von neuronalen Impulsen abgeschnitten. Fehlen dem Areal die notwendigen Reize, bleibt ihm nur, den subjektiven Eindruck völliger Raumlosigkeit zu erzeugen, der als unendlicher Raum und Ewigkeit interpretiert wird. Ein weiteres Areal ist für die Vorstellung von den Begrenzungen unseres Körpers zuständig. Der Totalausfall von Signalen auf dieser Seite bedeutet, dass die Wahrnehmung von sich selbst grenzenlos wird. Mit zunehmender Tiefe der Meditation verschwimmt die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt, und es kommt ein Gefühl auf, dass man sich ausdehnt und mit der Umgebung verschmilzt. Durch die Konzentration schwindet die Informationsflut, aus denen der Mensch seine Orientierung bezieht. Dadurch schwindet auch die Grenze zwischen einem selbst und der Welt, das Gefühl des Einsseins mit der Welt und der Grenzenlosigkeit stellt sich ein. In der tiefsten Meditation hat man das Gefühl, eins zu werden mit dem Universum, sich in etwas sehr viel Größerem aufzulösen.“

 

„Das hört sich interessant an“, sagte GP, „dieser Ablauf erfolgt im Gehirn automatisch, wenn man im Mittelpunkt der Meditation ist?“

 

„Ja, wenn dieses Ziel wirkt, und man immer wieder übt.

 

Meine Meditation-Übung besteht darin, dass ich mich beim Einatmen immer weiter dem Ende des Universums nähern will und beim Ausatmen unmittelbar unter dieser, von mir gerade erreichten, Grenze bleibe.

 

Da das Universum unendlich ist, kann ich das Ende des Universums natürlich nie erreichen. Und so kann ich diese Übung unendlich lange fortsetzen.

 

 

Bei dieser Gelegenheit noch ein Wort zur ‚Verdrängung‘: Stell dir vor, du richtest deine Aufmerksamkeit auf etwas, was du nicht wahrhaben willst, und gehst darauf ein. Dadurch wird dieses Etwas stärker, weil Druck Gegendruck erzeugt. So gerätst du in dessen Mittelpunkt. Mit der Verdrängung erreichst du also genau das Gegenteil von dem, was du willst, nämlich etwas beiseitezuschieben. Daher sollte man es nur wahrnehmen, aber dann nicht darauf eingehen.“

 

„Es wird aber auch gesagt: ‚Man verdrängt etwas‘, wenn etwas unbewusst weiter agiert.“

 

„Auch das ist im eigentlichen Wortsinn nicht richtig. Es wird von anderen Mittelpunkten im Wert herabgesetzt, sodass es nicht mehr wahrgenommen wird, agiert aber im Unbewussten weiter, ohne dass das Bewusstsein Informationen einholen kann.

 

Wenn man sagt: ‚Ein Mittelpunkt oder Mittelpunkte lassen einen etwas nicht sehen‘, dann trifft man den Sachverhalt sehr viel genauer, als wenn gesagt wird: ‚Man hat etwas verdrängt.‘

 

 

„Es geht also immer darum, das Bewusstsein bzw. die Aufmerksamkeit auf ein Ziel zu lenken“, fuhr GP fort.

 

„Die Betonung liegt auf ein Ziel“, unterstrich ich. „Würde daneben noch das Ziel, etwa die Vergangenheit zu vergessen, aktiv mitspielen, dann würde die Wirkung des ersten Ziels automatisch geschwächt.

 

Man ist zum Beispiel im ‚Hier und Jetzt‘, wenn die Wahrnehmung auf die Gegenwart gerichtet ist und diese Informationen dem Gehirn gesandt werden. Dies kümmert sich dadurch weniger um die Vergangenheit und die Zukunft, sondern in erster Linie um die Gegenwart.“

 

„Es geht also tatsächlich immer um den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit auf etwas, das auch das ‚Nichts‘ sein kann“, wiederholte GP.

 

„Richtig, es geht um Loslassen. Nur im Mittelpunkt des Augenblicks sein. Wird man abgelenkt, sind besonders auch die Sätze ‚Was geschah, musste geschehen, wie es geschah‘ und ‚Was geschehen wird, wird geschehen, wie es geschehen muss’ wirkungsvoll.“

 

 

 

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