Wie könnte man sich erklären...                                                 WAS DENKEN HEISST

 

 

Denken ist ein Wechselspiel bezüglich eines Zieles: Zwischen dem Gehirn und dem Bewusstsein (verstärkte Wahrnehmung der Informationen).

 

 

Denken heißt immer: die Konzentration auf ein Thema, ein Ziel, und was einem zu den dadurch gestellten Fragen vom Gehirn einfällt. Es ist die Aktivierung des Bewusstseins durch Mittelpunkte.

 

Es entsteht durch einen inneren oder äußeren Impuls, der Mittelpunkte im Gehirn stimuliert, die wiederum das Bewusstsein aktivieren, um sich mit dem entsprechenden Thema (Fragen, Entscheidungen, Urteile, etc.) zu befassen, also mit verstärkten Sinnen weitere Informationen einzuholen. Diese werden den Mittelpunkten gespiegelt, die in diesem Prozess involviert werden und veranlassen sie nach Erfahrungen oder Ähnlichkeiten bezüglich des Themas zu suchen.

 

Dieser Prozess des Denkens: Mittelpunkte > Bewusstsein > Mittelpunkte geht so lange, bis man ein stimmiges Gefühl hat, nicht mehr weiterkommt oder es etwa von einem anderen Thema abgelöst wird.

 

Das Gehirn vergleicht und bietet Alternativen an.

Es macht Vorschläge, antizipiert diese und nimmt Resultate vorweg – das Bewusstsein lebt diese und gibt die Informationen an das Gehirn zurück.

 

 

Warum kann kaum ein Mensch einsehen, dass sein Gehirn (zu dem natürlich auch das ICH mit seinen Zielen und Willen gehört) ihn steuert?

 

Antwort: Weil das Gefühl ihm etwas anderes vermittelt; nämlich, dass er alles mit seinem Willen bestimmt.

 

Gefühle sind Steuerungsmechanismen, die sehr viel Macht und Überzeugungskraft über den Menschen haben können.

 

Sein Gefühl sagt ihm, dass er sich selbst steuert, mit seinem Bewusstsein – weil das die Erfahrung der Gefühle ist und nicht infrage gestellt wird.

Rationale Erklärungen wie: alles entscheidet das Gehirn oder es gibt keinen "freien" Willen, haben in der Regel so gut wie keinen Einfluss. Weil dies das angenehme Gefühl der Freiheit beschränken würde.

 

Fragt sich aber trotzdem mal der eine oder andere, ob das Gefühl richtig ist, dass er den freien Willen hat, mit seinem Ich, bzw. seinem Bewusstsein zu entscheiden, dann wird das Gehirn trotzdem dazu "ja" sagen. Denn es gibt oft schnelle und nicht genau durchdachte Antworten. Es ist ihm einfach zu mühsam, das Stirnhirn einzuschalten und damit zu versuchen, dies Gefühl zu bestätigen oder zu widerlegen.
Hinzu kommt vielleicht noch die Angst, dass man tatsächlich keinen freien Willen hat, und die Ansicht, ausschließlich mit seinem (metaphysischen) Bewusstsein zu entscheiden, nichts anderes als Einbildung ist.

 

Will man dem Denken also auf den Grund gehen, muss sich das Gehirn, speziell das Stirnhirn, ausführlich mit dem Denken beschäftigen.

Dies geschieht sehr gut durch Selbstbeobachtung.

 

Also noch einmal den Ablauf im Einzelnen: Man möchte etwas wissen (zum Beispiel eine Lösung für ein Problem, wie man eine Idee verwirklichen kann, warum etwas passiert ist, usw.)

Damit wird jeweils ein Ziel kreiert.

Dieses aktiviert das Gehirn, das über die Neuronennetzwerke (die Mittelpunkte) sucht, was dazu passen könnte. Es macht Vorschläge oder trifft Entscheidungen.

Was gefunden wurde, wird einem bewusst. Z.B. durch eine Anschauung, durch Bilder, Schemata, Gestaltungen, Gefühle.

Dadurch werden also Informationen – von außen und innen – durch die verstärkten Sinne aufgenommen, die das Bewusstsein dann an das Gehirn zurückspiegelt, das damit wieder eine modifizierte Antwort kreieren kann und diese Lösungen eventuell akzeptiert oder verwirft und dann gegebenenfalls weitersucht. Bis, in der Regel, das Gefühl einem vermittelt, dass das, was man wissen wollte, ausreichend beantwortet wurde.

 

Um es noch einmal anders zu beschreiben: Es fällt einem etwas ein. Woher kommt das? Aus dem Gehirn! Denn dieses bewertetet die Impulse von außen und innen mit seinen Mittelpunkten – und nicht etwa das Bewusstsein.

 

Kurz zusammengefasst: Wenn das, was einem eingefallen ist, sich zu einem Ziel formt, aktiviert das Gehirn das Bewusstsein – die Sinne werden verstärkt. Diese senden dann die Informationen, die sie aufgrund des Zieles aufnehmen, zurück an das Gehirn. Dadurch werden Mittelpunkte, die es betrifft, angeregt und geben ihren „Kommentar“ dazu ab. Dies beeinflusst den ursprünglichen Einfall und die aktivierten Mittelpunkte, die dadurch verändert (verstärkt oder geschwächt) werden oder aktiviert weitere Mittelpunkte. Diese Veränderung wird einem wieder bewusst und das ganze Procedere beginnt von neuem.

Dieser Prozess wiederholt sich so lange, bis das Gefühl einem sagt, dass es zu dem, was man wissen oder sich erklären wollte, passt.

 

Dies ist der Ablauf des Denkens.

 

Und nebenbei: Konzentriertes Denken ist immer bewusst.

 

 

Eine Anmerkung zum Bewusstsein: Wer glaubt, dies alles entscheidet der Mensch mit seinem Bewusstsein, der müsste erklären, woher die Informationen kommen, die das Bewusstsein braucht, um zu entscheiden. Und er wird nicht darum herkommen, zu sagen, dass sie aus dem Gehirn stammen. In der Folge müsse das Bewusstsein auch Zugriff auf das Gehirn haben und das herausfinden, was für die Entscheidung richtig ist. Dies wäre jedes Mal eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nehmen würde, weil die Informationsmenge im Gehirn riesig ist. Das Bewusstsein müsste das gesamte Gehirn unter Kontrolle haben. Also alles was man gelernt hat, was man ererbt hat, was sich zwischenzeitlich geändert hat, usw. Und ein Bewusstsein dieser Art müsste dann entsprechend der Entscheidung auswählen, zusammenstellen und eine Lösung kreieren.

 

Diese Art von Bewusstsein ist nirgendwo zu finden, geschweige denn nachzuweisen.

 

 

Zusammenfassung der Schritte:

Es taucht eine Frage auf.

Woher kommt die?

Aus dem Gehirn! – Und hier aus einem Ziel, dass erreicht werden soll (die Frage zu beantworten). Auch Impulse von der Außenwelt passieren erst das Gehirn.

Immer, wenn eine Frage auftaucht, gibt das Gehirn eine Antwort – niemals das Bewusstsein.

Auch wenn das ICH die Antwort gibt, kommt diese aus dem Gehirn – weil sich das ICH mit seinen Zielen im Gehirn befindet.

Wenn etwas wichtig ist, wird es einem bewusst.

Das Bewusstsein nimmt mit verstärkten Sinnen Informationen für das Gehirn auf.

Dann können weitere Fragen auftauchen.

Dies geht solange hin und her, bis das Gehirn die Entscheidung getroffen hat, dass das Ziel mehr oder weniger erreicht wurde. Dies wird in der Regel abschließend ebenfalls bewusst.

Dadurch glaubt der Mensch, er selbst habe mit seinem Bewusstsein diese Entscheidung getroffen.

 

 

Zum Schluss noch eine Bemerkung zu dem Satz von Descartes: „Ich denke, also bin ich.“ Hinzufügen möchte ich: „Ich bin, weil ich u.a. denke."

 

 

© Es ist zulässig, diesen Inhalt unter der Bedingung, meine Website www.karlheinzhermsch.de zu nennen, und ohne die Texte zu verändern bzw. zu kürzen, uneingeschränkt zu nutzen oder zu vervielfältigen. (Nachfragen über Ausnahmen bitte über mein Impressum.)