Die 11 Grundlagen des Menschen                                           BEWUSSTSEIN

 

Bewusstsein ist Wahrnehmung – nichts anderes.

 

Der Glaube, wir steuern uns mit unserem Bewusstsein, wird kaum hinterfragt, weil das Gefühl uns dies mit Evidenz aufdrängt.

 

So erleben wir uns in der Regel als Person, in der das Bewusstsein alle Entscheidungen trifft.

 

Das Gehirn[1] wird als Hilfsmittel angesehen: Als Träger des Gedächtnisses. Darüber hinaus wird anerkannt, dass hier ererbte Anlagen und erlernte Fähigkeiten gespeichert sind.

 

 

Weniger klar ist man sich oft, dass es ebenfalls alle Gefühle, das Denken, Sprechen usw. reguliert.

 

Denn schaut man genauer hin, kann realisiert werden, dass das Gehirn uns lenkt.

 

(Für das normale, tägliche Leben ist es allerdings in der Regel unerheblich zu wissen, dass das Gehirn einen steuert: Man agiert und reagiert auf das für einen wichtige Geschehen.)

 

 

Interessant ist es aber für alle, die wissen wollen, warum es Bewusstsein gibt:

 

  • Das Gehirn zeigt uns die Welt nach seinen Zielen. (Es ist allgemein bekannt, dass es die Welt selektiert).
  • Das Bewusstsein sieht sie in dieser Form plus das, was dann die Sinne aufnehmen.
  • Diese Informationen sendet es an das Gehirn.
  • Dieses zeigt uns dann die Welt, die sich durch die Informationen gegebenenfalls verändert hat.
  • Das Bewusstsein sieht sie jetzt in dieser Form plus das, was jetzt die Sinne aufnehmen.
  • Diese Informationen sendet es wieder an das Gehirn.

 

 

Diese Sequenzen wiederholen sich ständig im Millisekunden-Takt. Je nach Wertigkeit mit der normalen Aufmerksamkeit oder mit verstärkten Sinnen (Bewusstsein).

 

Das kann jeder in allen Situationen nachvollziehen: Was man z. B. sieht, wird zunächst ausschließlich vom Gehirn gemacht, das es uns, aufgrund seiner Ziele, zeigt. Dann wird das von den Sinnen Erlebte an das Gehirn gesendet, das es verarbeitet. Und dem Bewusstsein daraufhin, je nach der Abweichung, eine korrigierte Sicht zeigt.

 

Daher wird dem Bewusstsein auch erst Millisekunden, nachdem das Gehirn entschieden hat, diese bewusst.  

Denn immer entscheidet das Gehirn, weil es unzählige Informationen in sich hat. Niemals entscheidet das Bewusstsein, weil es nur erlebt und sehr eingeschränkt ist bezüglich dessen, was die Sinne vom Gehirn aufnehmen können.

Nur durch ausreichende Informationen können angemessene Entscheidungen getroffen werden.

 

Daraus folgt sehr deutlich: Das Bewusstsein bzw. die normale Aufmerksamkeit kann die Welt nicht deuten, weil es nicht die Informationen des Gehirns besitzt. Das Gehirn kann nicht erleben, braucht diese Informationen des Bewusstseins, um seine Deutung der Welt eventuell zu korrigieren. 

 

Letztlich geht es um Wahrnehmung[2]. Entweder die normale, die mehr allgemein gehalten ist (etwa sich durch eine bekannte Umgebung zu bewegen). Oder eine aufmerksame, bewusste, durch Verstärkung der Sinne (z. B. wenn man in einer unbekannten Gegend ist).

 

Wahrnehmung hat also die Aufgabe, durch Erleben dem Gehirn Informationen zu geben. Damit werden gegebenenfalls neue Lernprozesse generiert, Korrek­turen vorgenommen, Einstellungen geändert, Ziele aktiviert usw.

 

Das Gehirn entwirft Vorschläge, antizipiert diese, nimmt Resultate vorweg – das Bewusstsein erlebt und überträgt die daraus resultierenden Sichtweisen und Informationen an das Gehirn.

 

Wenn uns aktuell etwas wichtig ist, Gefährliches, Ungewöhnliches oder Neues auftritt, Entscheidungen oder Aktivitäten der Neuronennetze eine gewisse Schwelle im Gehirn überschreiten, verstärkt es unsere Sinne. Dadurch nimmt man die Außen- und Innenwelt intensiver, bewusst wahr. Man erlebt sie eindringlicher.

 

Die verstärkten Sinne, also das Bewusstsein, senden dann die aufgenommenen Informationen an das Gehirn – besonders an die davon betroffenen Neuronennetze, die (größtenteils mit ihren Gefühlen) eventuell eine Änderung der Bewertung und Einstellung vornehmen. Dies Ergebnis wird wieder wahrgenommen usw.

 

Entscheidet sich das Gehirn letztlich gegen das Gefühl, dann kann man ein schlechtes Bauchgefühl bekommen. (Dies erfolgt aufgrund ähnlicher Erfahrungen in der Vergangenheit – d. h., es belegt daher nicht mit unumstößlichen Fakten, dass die Entscheidung aus dieser Situation falsch ist, weil die Situationen oft nicht deckungsgleich sind.)

Das Gefühl entsteht, weil man das Ziel, die Entscheidung in einer anderen, aber ähnlichen Situation, die das Bauchgefühl forciert, nicht durchführt.

Es ist die Natur der Ziele: Wird ein Ziel nicht erreicht, dann drängt es mit Gefühlen, dies weiter zu verfolgen.

 

Daher kommt das Bauchgefühl.

 

----------

 

Ein Bewusstsein (als Areal) wurde im Gehirn noch nie gefunden.

 

Die Ziele[3] im Gehirn begrenzen – mit den Gesetzen der Mittelpunkt-Mechanik – die Möglichkeiten des Wahrnehmens. Das heißt, was die Sinne aufnehmen, in welchem Spektrum, entscheiden die Ziele und die jeweiligen Anlagen im Menschen (die ebenfalls Ziele sind). Das Bewusstsein (die verstärkte Wahrnehmung) ist also eingeschränkt in seinem Erkennen.

 

(Dadurch können Menschen absolut blind sein gegenüber Fakten. – Es ist ihnen unmöglich, in Bereichen, die durch die Mittelpunkt-Mechanik[4] ausgeschlossen werden, etwas bewusst wahrzunehmen.)

 

Wird das Gehirn aber über äußere oder innere Reize aktiviert, dann kann es durch entsprechende Ziele, die sich auch neu bilden können und das Bewusstsein weiter anregen, die Erfahrung erweitern.


Bevor wir glauben, eine Entscheidung gefällt zu haben, hat das Gehirn bereits Millisekunden vorher entschieden wenn, in der Regel, das Bewusstsein keine wesentlichen Informationen mehr sendet.

 

Wir werden letztlich also nicht vom Bewusstsein, sondern von unseren Zielen mit deren Neuronennetzen gesteuert.

 

Das Bewusstsein ist kein Geist – und hat insbesondere kein „mystisches Geist-Bewusstsein“, das sich außerhalb vom Gehirn befindet. Es ist lediglich ein Informationsüberträger. Die „Geister“ sind die Mittelpunkte im Gehirn, die durch Ziele erzeugt werden. Sie können aktiv werden oder sind weitgehend inaktiv, je nach der augenblicklichen Themenlage.

 

Um ein Ziel zu erreichen, wirken in der Regel diverse Mittelpunkte mit bzw. werden angereizt.

 

Wie könnte man sich aber erklären, dass Menschen trotz dieser Tatsachen immer noch glauben, ihr Bewusstsein entscheidet?

 

Antwort: Es liegt wohl besonders an dem angenehmen Gefühl bezüglich des „freien Willens“, der die Illusionen der totalen Kontrolle über sich selbst nährt, und an dem Glauben an Metaphysisches, zu dem besonders religiöse Aspekte gehören.

 

Da diese Menschen glauben, sie hätten einen freien Willen, können sie nicht glauben, dass sie nur von Zielen in sich selbst (zu denen auch das ICH[5] mit seinem Willen gehört) gelenkt werden.

 

Und noch eine Frage: Wie ist es möglich, dass immer noch die meisten Menschen glauben, dass Bewusstsein eine geistige Tätigkeit ist (Geist im Sinne von metaphysisch)?

 

Antwort: Weil sie es so gelernt haben, weil sie sich das Bewusstsein nicht genauer angucken, weil sie nicht umdenken wollen.

 

Sie glauben an einen Geist, etwas, das ihnen ihr Gefühl vorgaukelt.

 

Aber dies ist lediglich ein Gefühl, ohne den geringsten Beweis, dass es so einen metaphysischen Geist gibt.

 

Unterstützt wird dieser Glaube von vielen „Experten“, die ihn in früheren Zeiten gefestigt haben, und denen heute noch Fachleute, wie diverse Philosophen und Psychologen, an den Lippen hängen. Sie können das immaterielle Geistbewusstsein nicht beweisen, behaupten aber munter weiter, dass es so was gibt.

 

Letztlich würden wir durch diese Definition des Bewusstseins: „Es ist lediglich verstärkte Wahrnehmung“, und dass die „Geister“ unsere Mittelpunkte sind, die Selbsterkenntnis stärken.

 

Ich kann aus eigener Erfahrung versichern: Das Erleben in allen seinen Facetten wird dadurch nicht eingeschränkt.

 

 

Noch einmal: Das Bewusstsein (die verstärkte Wahr­nehmung) steuert nicht, sondern gibt lediglich Informationen an das Gehirn; an dessen Ziele. Die entscheiden, verknüpft über weitere Neuronennetze, wie und ob sie diese verwenden.

 

Sollten die Antworten, die das Gehirn gibt, nicht zufriedenstellend für andere Mittelpunkte sein, dann kann das Bewusstsein dafür wieder aktiviert werden. Diese verstärkten Sinne liefern dann weitere Informationen an das Gehirn, damit es eventuell bessere Antworten findet.

 

Für die Selbsterkenntnis ist das Wissen, wie die Ziele bzw. Mittelpunkte mit dem Bewusstsein korrelieren, von großem Wert. Weil das Gehirn – mit dem hierdurch gebildeten Ziel – einen realen Blick auf sich selbst bekommt. Dadurch kann das Ziel der Reflexion verstärkt aktiviert werden. 

 

Hier noch ein paar Definitionen bezüglich des Bewusstseins:

 

  • Bewusstsein: Wahrnehmung von Sachverhalten, Reaktionen und Gefühls-erlebnissen (mit verstärkten Sinnen).
  • Bewusstseinseinschränkung: Die Sinne werden nicht in dem erforderlichen Umfang für die Wahrnehmung verstärkt.
  • Bewusstlos: Ohne Wahrnehmung. Die Sinne können nicht verstärkt werden – sie sind weitestgehend lahmgelegt.
  • Unbewusst: Man erlebt etwas nicht mit seiner Aufmerksamkeit. Es laufen automatische Prozesse im Gehirn ab, die nicht einen bestimmtem Wert haben, um die Schwelle zum Bewusstsein zu aktvieren. Oder die verstärkte Wahrnehmung wird durch die Mittelpunkt-Mechanik eingeschränkt.
  • Mit vollem Bewusstsein: Die Wahrnehmung eines Geschehens mit verstärkten Sinnen.
  • Selbstbewusstsein: Man nimmt sich selbst wahr, als einen Teil seines ICHs (im Gehirn). (Zum Beispiel weiß man, dass man sich auf sich selbst verlassen kann, wenn man sich auf etwas konzentriert. So ist man oft stolz auf die eigenen Fähigkeiten und Leistungen).

 

 

Zum Thema Bewusstsein noch ein Beispiel aus dem Leben:

 

Wenn ein Sportler, etwa ein Bogenschütze, genau das Zentrum treffen will, dann ist sein Gehirn auf exakte Informationen angewiesen. Dies erreicht der Schütze, indem er seine Sinne verstärkt, also sein Bewusstsein (seine Wahrnehmung) höchstmöglich auf die Außen-welt, bezüglich seines Zieles, konzentriert.

 

Dadurch wird auch die Mittelpunkt-Mechanik besonders aktiviert, und man nimmt nur noch die Informationen auf, die für das Ziel wichtig sind.

 

Den finalen Impuls zum Abschießen des Pfeils gibt sein Gehirn, genauer gesagt; die Feinsteuerung in ihm: die Gefühle – nicht sein Bewusstsein.

 

 

Abschließend: Ich habe mich mit sehr vielen Menschen über das Thema Bewusstsein und das Gehirn unterhalten. Fazit war, dass quasi alle vor der Einsicht zurückschreckten, dass nur das Gehirn die Entscheidungen fällt. Oft hörte ich: „Aber dann wäre ich ja Sklave meines Gehirns.“

 

Ich entgegnete: „Alles, was Sie bisher gemacht haben, geschah aufgrund der Entscheidungen in Ihrem Gehirn. Das wird auch in Zukunft so sein. Ihr ICH, Ihr Wille sind Teil des Gehirns und spielen eine wichtige Rolle.

 

Mit dieser Einsicht können Sie die Welt realistischer sehen – ohne diese Einsicht und mit dem Glauben an ein ICH oder einen freien Willen als Geister, die sich irgendwie ungreifbar im Raum aufhalten, wird über die Mittelpunkt-Mechanik der Blick auf diese Realitäten unmöglich.“

 

Das Wort „Bewusstsein“ ist stark mit esoterischen, metaphysischen, religiösen Adjektiven belastet. Besonders die Ausdrücke „geistig“ oder „mental“ stiften Unklarheit, weil damit nicht explizit das Gehirn, sondern meistens implizit damit in aller Regel auch etwas Übernatürliches, Metaphysisches gemeint ist.

 

 

Und zum Schluss möchte ich einen Vorschlag machen: Da Bewusstsein immer Wahrnehmung ist, es aber oft für Übersinnliches (Geist) oder als (geistige) Steuerungs- und Entscheidungsorganisation im Menschen steht – wie etwa „Bewusstseinserweiterung“ – wäre es gut, sich die Definition „Bewusstsein ist Wahrnehmungimmer mal wieder klarzumachen.

 



[1] Die 11 Grundlagen des Menschen: Gehirn

[2] Die 11 Grundlagen des Menschen: Wahrnehmung

[3] Die 11 Grundlagen des Menschen: Ziele

[4] Die 11 Grundlagen des Menschen: Mittelpunkt-Mechanik

[5] ICH (Wie könnte man sich erklären …)

 

Ausführliche Texte zu den jeweiligen Hinweisen finden Sie in dem Buch:

„Hermsch - Das sollten Sie wissen: Die 11 Grundlagen des Menschen.“

 

 

Basic knowledge about human beings

  • Consciousness is neither an incompre-hensible mind (as is often believed), nor does it decide
  • This is the brain’s job. It controls people with neuronal networks (which I call midpoints) that have been formed through the goals of inheritance and experience.
  • Consciousness only experiences with the senses. With these sensations and data, the brain can change its decisions.

 

People are never shaped by just one area of the brain, but always by many that are connected to each other via neural networks.

 


Without exception, these networks were each created by goals.

 

 

 

 

So far translated pages in English: